Der Magier
Die Geschichte der Tarotkarte Der Magier: ihr Ursprung als Il Bagatto, ein Straßenartisten in frühen italienischen Decks, und die Rider-Waite-Smith-Verwandlung zum Meister der vier Elemente.

Etymologie & Name
Das italienische 'Il Bagatto' (auch 'Bagattino') bezeichnete ursprünglich eine kleine Münze oder eine Kleinigkeit und im übertragenen Sinne einen Taschenspielertrick; das französische 'Le Bateleur' bedeutet Straßenkünstler oder Gaukler. Die früheste Identität der Karte war daher ein einfacher Taschenspieler, kein Magier. Die Erhebung zum 'Magier' geht im Wesentlichen auf die Okkultisten des neunzehnten Jahrhunderts zurück, beginnend mit Éliphas Lévi.
Frühe Bildsprache
In den Visconti-Sforza- und Marseille-Decks steht die Figur hinter einem Tisch, auf dem Becher, Messer, Bälle und Würfel liegen — die Requisiten eines Jahrmarktsgauklers. Er ist ein Handwerker kleiner Wunder, gesellschaftlich randständig und weltlich geblieben. Es gibt kein Unendlichkeitssymbol und keine Geste zum Himmel und zur Erde; diese Elemente sind spätere Zutaten.
Rider-Waite-Smith-Design
Smith verwandelte den Gaukler in eine gebieterische Gestalt, die einen Stab zum Himmel erhebt und gleichzeitig zur Erde zeigt — die hermetische Maxime 'wie oben, so unten' in Szene gesetzt. Auf dem Tisch liegen die vier Werkzeuge der Farben — Becher, Schwert, Stab und Pentakel — als Zeichen der Herrschaft über die Elemente. Über seinem Haupt schwebt eine Lemniskate (das Unendlichkeitszeichen), und ein Garten aus roten Rosen und weißen Lilien umgibt ihn und vereint Begierde und Reinheit.
Schlüsselsymbolik
Das Unendlichkeitssymbol bezeichnet grenzenlose geistige Kraft; die vier Werkzeuge repräsentieren das vollständige Instrumentarium aus Gefühl, Verstand, Leidenschaft und Materie. Die auf- und abwärts gerichteten Gesten leiten göttliche Energie in die materielle Welt, während die roten und weißen Blumen Begierde mit Reinheit versöhnen. Der Magier ist wirksam gewordener Wille — der erste Schöpfungsakt, der auf das Potenzial des Narren folgt.
Über Traditionen hinweg
Der Bateleur der Marseille-Tradition ist ein schlichter Trickser ohne offene okkulte Bedeutung. Lévi deutete ihn als erster zum Magier um; Waite und Smith gaben dieser Idee ihr endgültiges Bild. Im Thoth-Deck nennt Crowley ihn „`The Magus“ und weist ihm Merkur zu, wobei er reinen Willen und Kommunikation durch ein komplexes Gefüge aus Symbolen, Schwertern und Affen darstellt.
Kultureller Kontext
Der Magier spiegelt das Renaissanceideal des „`Magus“ wider — des Menschen als Mikrokosmos, der zwischen Himmel und Erde vermitteln kann. Zugleich trägt er die ambivalente Stellung des Tricksters, dessen Geschick erschaffen oder täuschen kann. Als Trumpf Nummer 1 ist er die erste Manifestation der Null des Narren, der Anfang bewussten Handelns.