Die Kaiserin
Die Geschichte der Tarotkarte Die Kaiserin: ihr italienischer Ursprung als L'Imperatrice, ihre Paarung mit dem Kaiser und ihre Rider-Waite-Smith-Gestalt als fruchtbare Erdmutter unter zwölf Sternen.

Etymologie & Name
Der Name geht auf das lateinische 'imperatrix' zurück, die weibliche Form von 'imperator' (Feldherr, Kaiser). In den frühen Decks ist sie schlicht die weibliche Souveränin, gepaart mit dem Kaiser als den beiden höchsten weltlichen Autoritäten der Trumpfreihe.
Frühe Bildsprache
Im Visconti-Sforza-Deck ist sie eine edle Frau mit heraldischem Schild; die Marseille-Tradition zeigt sie auf einem Thron mit Zepter und Schild, oft mit einer Krone aus zwölf Sternen. Sie ist die kaiserliche Gemahlin, eine Gestalt weltlicher Macht und dynastischer Fruchtbarkeit, noch keine Naturgöttin.
Rider-Waite-Smith-Design
Smith versetzte sie ins Freie, in einen üppigen Garten aus reifem Weizen und fließendem Wasser. Sie trägt eine Krone aus zwölf Sternen (den Tierkreis), ihr Stuhl ist mit Venus-Symbolen verziert, und sie hält einen Schild mit dem Zeichen der Venus (♀). Ihr Gewand ist mit Granatäpfeln gemustert, die für Fruchtbarkeit und heiliges weibliches Wissen stehen.
Schlüsselsymbolik
Die zwölf Sterne der Krone verbinden sie mit den Zyklen des Tierkreises und den Rhythmen der Natur; das Venus-Symbol regiert Liebe, Schönheit und Sinnlichkeit; Weizen und Wasser bezeichnen Überfluss und den Fluss des schöpferischen Lebens. Die Granatäpfel greifen die Hohepriesterin auf, sind hier jedoch offenkundig: Sie ist die fruchtbare, zeugende Mutter statt der verschleierten Jungfrau.
Über Traditionen hinweg
Die Kaiserin der Marseille-Tradition ist eine weltliche Herrscherin. Waite hob sie zur Großen Mutter und zum Archetyp weiblicher Schöpferkraft empor. Im Thoth-Deck umgibt Crowley sie mit Lotuspflanzen, Bienen, Monden und fließendem Stoff und betont so die dynamische Strömung der Schöpfung, wobei er sie der Venus zuweist.
Kultureller Kontext
Sie ist die Große Mutter in vielen Gestalten — Demeter, Isis, Venus und die christliche Madonna. In der Jungschen Psychologie vertritt sie den Mutter-Archetyp: Fürsorge, Überfluss und die Schöpfungskraft der Natur. Im Paar mit dem Kaiser verkörpert sie den empfangenden, zeugenden Pol der Macht.