Luna
Tarot-Geschichte
Karte 11

Bube der Stäbe

Der Bube der Stäbe: von den Hofkarten des Marseille zum Rider-Waite-Smith-Jüngling, der seinen Stab aufrecht hält — der Bote des Feuers, neues Streben und der Funke des Anfängers.

Bube der Stäbe
ItalienischBastoni
FranzösischBâtons

Etymologie & Name

Die Farbe leitet sich vom italienischen 'Bastoni' und dem französischen 'Bâtons' ab. Die Hofkarten waren die einzigen Kleinen Arkana, die im Kartenspiel individuelle Identitäten erhielten: 'Fante' (italienisch) und 'Valet' (französisch), beide einen jungen Diener oder Bediensteten bezeichnend. Im Deutschen wurde die Karte zum Buben, dem niedrigsten der vier Hofränge. Der Bube der Stäbe ist die jüngste Figur der Feuerfarbe — der Bote oder Lehrling der Flamme.

Frühe Bildsprache

In der Marseille-Tradition war der Valet de Bâtons ein stehender junger Mann in modischer Renaissancekleidung, der einen einzelnen Stab aufrecht hielt. Er war eine Hoffigur, keine allegorische — sein Rang wurde durch seine Jugend und seine Haltung angezeigt, seine Farbe durch den Stab in seiner Hand. Das Bild war szenisch, anders als die nummerierten Kleinkarten, doch die Figur war ein generischer Hofbediensteter eher als ein Charakter mit einer Geschichte.

Rider-Waite-Smith-Design

Pamela Colman Smith platzierte einen jungen Mann in einer fließenden gelben Tunique und roten Leggings, der allein in einer kargen Landschaft steht und einen lebendigen Stab aufrecht hält, als habe er gerade zu ihm gesprochen. Sein Blick hebt sich zur blätterranken Krone des Stabes, und seine Ärmel und Tunique bauschen sich, als wehe ein Wind. Hinter ihm erstrecken sich flache Ebenen unter einem gelben Himmel, mit kleinen pyramidenförmigen Hügeln am Horizont.

Schlüsselsymbolik

Der Stab, den der Bube hält, ist belaubt — das Feuer der Farbe lebt und wächst in der Hand der Figur. Der gehobene Blick des Jünglings ist der erste Moment der Berufung, der Augenblick, in dem ein Streben oder eine Botschaft sich ankündigt. Die karge Landschaft ist das noch ungeformte Feld, in dem jenes Streben wird arbeiten müssen. Als niedrigste Hoffigur ist der Bube der Lehrling, der Bote, der Anfänger — der Funke, bevor er gelernt hat, wie man brennt.

Über Traditionen hinweg

Der Marseille-Valet ist ein junger Hofbediensteter, der seinen Stab hält, ohne Erzählung. Smiths Illustration gab ihm den Moment der Eingebung — den Stab, der gerade gesprochen hat. Im Thoth-Deck benennt Crowley den Buben als „Princess of the Shining Flame, Rose of the Palace of Fire“ und schreibt sie der Erde des Feuers zu — dem materiellen Thron, auf dem das Feuer der Farbe ruht. Die Thoth-Prinzessin wird mit einem Widder, einem Löwen und einer Flamme gezeigt und umfasst alle drei Feuerzeichen.

Kultureller Kontext

Die Farbe der Stäbe entspricht dem Element Feuer, und der Bube — als niedrigste Hoffigur — stellt den Funken der Farbe dar, der eine menschliche Form annimmt: den Lehrling, den Boten, den Anfänger. Die Figur des Buben oder Valet spiegelt den Hof des Spätmittelalters wider, wo der rangniedrigste Bedienstete Botschaften trug und sein Handwerk im Haushalt eines größeren Herrn erlernte. Als erste Hofkarte der Farbe markiert sie den Eintritt des Feuerelements in eine Person statt in eine abstrakte Kraft.

Kartenbedeutung