Luna
Tarot-Geschichte
Karte 7

Der Streitwagen

Die Geschichte der Tarotkarte Der Streitwagen: ihr Ursprung als Il Carro, die Renaissance-Triumphprozession und der Rider-Waite-Smith-Wagen, gezogen von schwarzen und weißen Sphinxen.

Der Streitwagen
ItalienischIl Carro
FranzösischLe Chariot

Etymologie & Name

Vom lateinischen 'carrus', einem Fahrzeug mit Rädern. Die Karte zeigt einen Triumphwagen, wie er in den 'Trionfi'-Prozessionen verwendet wurde, die dem Tarot seinen ursprünglichen italienischen Namen gaben. Die Bildsprache ist untrennbar mit der Renaissancetradition des Triumphes verbunden.

Frühe Bildsprache

Vom Visconti-Sforza-Deck an steht ein junger Mann in einem von zwei Pferden gezogenen Wagen, oft gekrönt und mit Zepter, in der Haltung eines siegreichen Feldherrn. Das Bild entstammt unmittelbar den Triumphprozessionen der Renaissancehöfe und Petrarcas 'I Trionfi'.

Rider-Waite-Smith-Design

Smith gab ihm einen Lorbeerkranz und einen Baldachin, getragen von vier mit Sternen besetzten Säulen. Der Wagen wird nicht von Pferden gezogen, sondern von zwei Sphinxen, einer schwarzen und einer weißen, die in entgegengesetzte Richtungen blicken. Hinter ihm liegt eine Stadt, und eine Mondsichel ziert seine Schultern. Der Lenker hat gesiegt und muss nun entgegengesetzte Kräfte steuern.

Schlüsselsymbolik

Die schwarze und die weiße Sphinx sind die entgegengesetzten Kräfte — Licht und Dunkel, Wille und Instinkt —, die der Lenker im Gleichgewicht halten muss, ohne zurückblicken zu können. Der Lorbeer bezeichnet den Sieg; der sternengeschmückte Baldachin den Kosmos, über den er Herr geworden ist; die Stadt hinter ihm die bereits errungene weltliche Leistung. Der Streitwagen ist die kontrollierte Vorwärtsbewegung eines geeinten Willens.

Über Traditionen hinweg

Der Streitwagen der Marseille-Tradition wird von zwei Pferden gezogen, und der Lenker hält Zügel und Zepter. Waites Ersatz der Pferde durch Sphinxe betont die Beherrschung der Gegensätze statt bloßen militärischen Sieges. Im Thoth-Deck zeichnet Crowley den Wagen mit einem Skarabäus (Khepri) auf dem Baldachin, weist ihm den Krebs zu und platziert einen Heiligen Gral im Wagen, wodurch er ägyptische und Gralssymbolik verbindet.

Kultureller Kontext

Die Karte ruft den römischen Triumph, Platons Seelenwagen im 'Phaidros' und den Renaissance-'trionfo' auf. Astrologisch entspricht sie dem Krebs. Als Trumpf Nummer 7 vertritt sie den ersten großen Sieg der Reise — äußeren Erfolg, der durch die Zügelung innerlich widerstrebender Kräfte erreicht wird.

Kartenbedeutung