Der Teufel
Die Geschichte der Tarotkarte Der Teufel: die fehlenden frühen Karten, der Marseille-Dämon mit Hörnern und die Rider-Waite-Smith-gefangenen, die frei sein könnten.

Etymologie & Name
Vom lateinischen 'diabolus', selbst vom griechischen 'diabolos' ('Verleumder, Ankläger'). Die Figur ist der christliche Teufel, und ihre Präsenz in der Trumpfreihe spiegelt die spätmittelalterliche Dämonologie wider, die in den Hexenprozessen der frühen Neuzeit gipfelte.
Frühe Bildsprache
Bemerkenswerterweise fehlt die Teufelskarte in nahezu jedem erhaltenen handgemalten Deck des fünfzehnten Jahrhunderts — die Karte wurde offenbar entfernt und in schwarze Magie-Riten verwendet, ein in den Aufzeichnungen des Cary-Yale belegter Befund. Wenn das Bild in der Marseille-Tradition wieder auftaucht, ist es ein gehörnter, geflügelter, mit Krallen bewehrter Dämon mit einer Fackel.
Rider-Waite-Smith-Design
Smith platzierte den Teufel auf einem schwarzen Sockel, gehörnt, mit Fledermausflügeln und Adlerkrallen, die eine Hand erhoben, die andere eine Fackel senkend. Zwei nackte, gehörnte Menschen sind an den Block unter ihm gekettet — doch die Ketten sitzen locker um ihre Hälse. Sie könnten sich befreien; sie tun es nicht. Über der Stirn des Teufels glüht ein umgekehrtes Pentagramm.
Schlüsselsymbolik
Hörner, Fledermausflügel und Fackel bezeichnen zügellose Begierde und das nach unten gekehrte Feuer des Verlangens. Die lockeren Ketten sind die zentrale Einsicht der Karte: Die Knechtschaft unter dem Teufel ist freiwillig, aufrechterhalten durch Unkenntnis der eigenen Freiheit. Das umgekehrte Pentagramm markiert den vom Materiellen überwältigten Geist. Der Teufel ist kein fremder Feind, sondern der Schatten, den wir nicht ansehen wollen.
Über Traditionen hinweg
Der Teufel der Marseille-Tradition schwingt eine Fackel über zwei kleinen Gefangenen. Waites entscheidende Neuerung sind die lockeren Ketten — die Knechtschaft ist selbstauferlegt. Im Thoth-Deck behält Crowley den Namen bei, weist ihn dem Steinbock zu und stellt den Teufel als einen Ziegenbock mit Auge, Zunge und verschlungenen Zeugungsorganen dar — die blinde schöpferische Kraft der Natur.
Kultureller Kontext
Die Karte schöpft aus Luzifer, aus Éliphas Lévis Baphomet (dem gehörnten zwittrigen Götzenbild, das er 1854 zeichnete) und dem mittelalterlichen Karnevalsteufel. Astrologisch entspricht sie dem Steinbock. In der Jungschen Psychologie ist sie der Schatten — die verdrängten Begierden, die gerade durch ihre Verleugnung an Macht gewinnen. Als Trumpf Nummer 15 benennt sie die Dunkelheit, die erkannt werden muss, bevor sie integriert werden kann.