Der Mond
Die Geschichte der Tarotkarte Der Mond: von La Luna zum Rider-Waite-Smith-Mond mit menschlichem Gesicht, zwei heulenden Hunden, zwei Türmen und einem Krebs, der aus der Tiefe steigt.

Etymologie & Name
Vom lateinischen 'luna'. Der Name ist schlicht, doch die Karte trägt eine lange Last lunaren Symbolismus — den Mond als Herrscher der Gezeiten, der Träume, der Illusionen und des unsicheren Pfades zwischen Wachen und Schlafen.
Frühe Bildsprache
Von der Marseille-Tradition an ist das Bild bemerkenswert stabil: Ein Mond mit menschlichem Gesicht hängt am Himmel und tropft tauähnlich. Zwei Türme stehen auf beiden Seiten, zwei Tiere — Hunde oder ein Hund und ein Wolf — heulen den Mond an, und ein Krebs oder eine Hummer kriecht aus dem Wasser einen gewundenen Pfad entlang.
Rider-Waite-Smith-Design
Smith schärfte das überlieferte Bild. Ein Vollmond mit einem brütenden menschlichen Gesicht lässt klare Tautropfen fallen, zwei Türme flankieren einen Pfad, der sich zwischen ihnen in die Ferne windet, zwei Hunde heulen, und ein großer Krebs steigt aus einem Gewässer im Vordergrund. Die Landschaft ist nächtlich und unruhig.
Schlüsselsymbolik
Das mondbeleuchtete Gesicht ist das Unbewusste und sein flackerndes, trügerisches Licht. Die beiden Türme markieren die Schwelle zur bekannten Welt; die beiden Hunde sind die gezähmten und wilden Instinkte, die der Mond weckt. Der aus der Tiefe steigende Krebs ist die urzeitliche Furcht und der archaische Gehalt, der zum Bewusstsein emporklettert. Der Mond ist der Pfad durch die Illusion, der vor der Klarheit der Dämmerung gegangen wird.
Über Traditionen hinweg
Die Marseille- und Waite-Bilder sind eng verwandt, wobei Smith vor allem Detail und Stimmung verdichtet. Im Thoth-Deck vereint Crowley Halbmond und Vollmond, platziert den Skarabäus Khepri unten und fügt Anubis und einen Schakal hinzu, die den lunaren Pfad flankieren, wodurch er ägyptische solar-lunare Mythologie in das Bild schichtet.
Kultureller Kontext
Die Karte schöpft aus Diana, Hekate und Sin — lunaren Gottheiten der Schwelle und der Unterwelt — sowie aus der Albedo-Phase der Alchemie, dem Weißwerden, das der schwarzen Arbeit folgt. Astrologisch entspricht sie den Fischen. Als Trumpf Nummer 18 ist sie der nächtliche Übergang nach der Hoffnung des Sterns: die Prüfung, bei unsicherem Licht zu gehen, bevor die Sonne volle Klarheit bringt.