Die Welt
Die Geschichte der Tarotkarte Die Welt: von Il Mondo und dem Tänzer im Kranz bis zur Vollendung der Reise der Großen Arkana bei Rider-Waite-Smith.

Etymologie & Name
Vom lateinischen 'mundus' (Welt, Kosmos). Frühe italienische Quellen nennen die Karte auch 'La Terra' (die Erde) oder 'L'Universo' (das Universum). Der Name bezeichnet nicht die politische Welt, sondern die ganze Schöpfung, den Kosmos in seiner Vollständigkeit.
Frühe Bildsprache
Vom Visconti-Sforza-Deck an steht ein Tänzer — oft androgyn — innerhalb eines Kranzes, mit den vier Lebewesen (Mensch, Adler, Löwe, Stier) in den vier Ecken. Das Bild erinnert an mittelalterliche Darstellungen Christi in Majestät, umgeben von den vier Evangelisten, und die vier Lebewesen sind schon in den frühesten Versionen unveränderlich festgelegt.
Rider-Waite-Smith-Design
Smith platzierte eine nackte, androgyne Tänzerin innerhalb eines grünen Kranzes, gehüllt in ein purpurnes Band, das eine waagerechte Acht bildet. Die Tänzerin hält zwei Stäbe. In den vier Ecken schweben die vier Lebewesen — Mensch, Adler, Löwe und Stier —, von denen jedes ein Buch hält, vor blauem Himmel.
Schlüsselsymbolik
Der Kranz ist der vollendete Kreis, das gelungene Ende eines Zyklus; das purpurne Achter-Band ist Unendlichkeit und Ewigkeit. Die androgyne Tänzerin ist das integrierte Selbst, das alle Gegensätze vereint, und die beiden Stäbe markieren die balancierten Dualitäten, die sie in jeder Hand hält. Die vier Lebewesen sind die vier Evangelisten, die vier Fixzeichen des Tierkreises und die vier Elemente — die gesamte Schöpfung, die dem Tanz beiwohnt.
Über Traditionen hinweg
Die Welt der Marseille-Tradition gibt dem Tänzer manchmal einen Stab oder einen päpstlichen Schleier, doch das Kernbild ist konstant. Waite betonte den Tanz der Vollendung. Im Thoth-Deck benennt Crowley die Karte in „`The Universe“ um, weist sie dem Saturn zu und rahmt sie in einen Ouroboros-Schlangenring mit den zehn kabbalistischen Sphären und den vier Lebewesen ein — eine kosmische Synthese.
Kultureller Kontext
Die Karte schöpft aus den vier Lebewesen des Ezechiel und der Offenbarung, der neuplatonischen „`Anima Mundi“ (Weltseele) und der kabbalistischen Sphäre Malkuth, dem manifesten Königreich. Astrologisch entspricht sie dem Saturn, der Grenze, die vollendet. Als Trumpf Nummer 21 ist sie das Ende der Großen Arkana — die Ganzheit, in der die Reise des Narren gipfelt und von der aus ein neuer Zyklus beginnen kann.